Das nachfolgende Video ist eine Mini-Fortbildung zum Thema Verbrennungen und Versorgung von Explosionsverletzungen durch Kugelbomben. Der Wunsch stammt aus der Community und richtet sich an alle Einsatzkräfte, die an Silvester im Einsatz sind. Am Ende des Beitrags findest du ein kurzes Quiz, um dein Wissen zu überprüfen. Die Kernaussagen des Videos sind in diesem Beitrag grob zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
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Verbrennungen
Definition Verbrennung
- Eine Verbrennung ist eine durch thermische Noxen verursachte Verletzung des Körpers
- z. B. durch Flammen, heiße Flüssigkeiten, Dampf / Gasen, feste Körper, Reibung, Strahlung, Strom
- Einwirkung durch chemische Substanzen (Säuren / Laufen) können zu vergleichbaren Schädigungen führen
Abschätzung thermischer Verletzungen
- Anwendung der Neuner-Regel
- allgemeine Trauma-Diagnostik (lenke die Aufmerksamkeit bewusst)
- Bedenke von Beginn an die Hypothermie
- Praxishinweis: Die Handinnenfläche des Patienten entspricht ca. 1% der KOF und kann zu schnellen Einschätzung genutzt werden.
Verbrennungstiefe
| Grad der Verbrennung | betroffene Hautschichten | Klinik |
| 1 | Epidermis | •Rötung •starker Schmerz, wie Sonnenbrand |
| 2a | oberflächige Dermis | •Blasenbildung •Wundgrund rosig und rekapillarisierend •starker Schmerz •Haare fest verankert |
| 2b | tiefe Dermis (mit Hautanhangsdrüsen) | •Blasenbildung •Wundgrund blasser und nicht oder schwach rekapillarisierend •reduzierter Schmerz •Haare leicht zu entfernen |
| 3 | komplette Dermis | •trockener, weißer, lederartig harter Wundgrund •keine Schmerzen •keine Haare mehr vorhanden |
| 4 | Unterhautfettgewebe, Muskelfaszie, Muskeln, Knochen | •Verkohlung |
Erstmaßnahmen in der Präklinik
- Trauma-Patienten strukturiert untersuchen und behandeln
- weitere potenzielle Verletzungen suchen und finden
- Kühlung bei weniger als 10% verbrannter Körperoberfläche möglich, aber eigentlich keine Maßnahmen durch professionelle Rettungskräfte
- denke frühzeitig an Hypothermie
- Eigenschutz
- Verbrennungen steril abdecken
Versorgung von Verletzungen an Silvester
- Nach Prinzipien der Taktischen Medizin
- Feuerwerk durch Laien
- Permanente “Bedrohung” für Helfer und Patienten
- Schutz durch bauliche Einrichtungen / Fahrzeuge
Airway
- Fokus:
- inspiratorischen Stridor
- Verbrennungen am Hals
- Atemweg beurteilen
- Atemweg gefährdet? frühzeitig Atemwegssicherung erwägen
- S1-Leitlinie Prähospitales Atemwegsmanagement beachten
- kritisches Atemwegsproblem? nächste für Atemwegsmanagement-geeignete Klinik unter Voranmeldung anfahren
- Inhalationstrauma antizipieren
- frühzeitig abschwellende Maßnahmen
- Oberkörperhochlagerung
Airway – Zeichen eines Inhalationstraumas
- Verbrennung des Gesichtes
- versengte Gesichts- und Nasenbehaarung
- Ruß im Gesicht oder im Sputum
- Zeichen der Atemwegsobstruktion
- Stridor
- Ödem
- oropharyngeale Schleimhautschädigung
Breathing
- denke an thermische Schäden und Rauchgase
- Beatmung nach S3-Leitlinie „Invasive Beatmung und Einsatz extrakorporaler Verfahren bei akuter respiratorischer Verschlechterung“
- bei Verdacht auf CO-Vergiftung: 100% O2 (Brand in geschlossenen Räumen)
Circulation
- Fokus:
- Hämodynamische Instabilität initial durch andere Verletzungen wahrscheinlicher!
- 1.000 ml innerhalb der ersten zwei Stunden nach Trauma
- keine Formeln in der Präklinik!
- balancierte, kristalloide Vollelektrolytlösungen
- bedenke Hypothermie! Vorgewärmte Infusionslösung
- bei persistenter Hypotonie, trotz Volumen: erwäge Nordadrenalin bei Schwerbrandverletzten
- zwei großlumige Zugänge durch, idealerweise, unverbrannte Haut
- i.o. wenn keine Alternative
Disability
- orientierende neurologische Untersuchung um zentrale und periphere Nervenschädigungen zu erfassen
- regelmäßige Kontrolle der Vigilanz
Exposure
- umfassende Anamnese
- keine Kühlung bei Verbrennungen über 10% verbrannte Körperoberfläche
- Wärmeerhalt
- trockene, sterile Verbände
- mache ein Foto vor der Versorgung
- feuchte / nasse Verbände bei großflächigen Verbrennungen kontraindiziert
Brandverletztenzentrum
- Fokus
- Weitere schwere Verletzungen? Nächstes geeignetes Krankenhaus!
- Abhängig von:
- Patientenzustand
- Transportstrecke
- Transportrisiko
- Im Zweifel:
- Erstversorgung im nächsten, geeigneten Krankenhaus
Brandverletztenzentrum
- thermische Verletzungen Grad 2 von 15 % und mehr Körperoberfläche
- thermische Verletzungen Grad 3 von 10 % und mehr Körperoberfläche
- thermische Verletzungen an „komplizierter Lokalisation“:
- Gesicht/Hals
- Hände
- Füße
- Ano-Genital-Region
- Axilla
- über großen Gelenken
- andere komplizierte Lokalisationen
- zirkuläre thermische Verletzungen
- Verätzungen durch Chemikalien
- Verletzungen durch elektrischen Strom inklusive Blitzschlag
- Inhalationstrauma in Verbindung mit äußeren Verbrennungen
- Brandverletzte mit Begleiterkrankungen oder Verletzungen (v.a. thermomechanische Kombinationen), die die Behandlung erschweren
- Brandverletzte, die spezielle psychotherapeutische, psychiatrische oder physische Mitbehandlung benötigen
- besonders junge Patienten (< 8 Jahre) und alte Menschen (> 60 Jahre)
Take-Home-Message
- Strukturierte Untersuchung und Behandlung
- Lenke deine Aufmerksamkeit
- Denke an Hypothermie
- Reevaluiere bei Verdacht auf Atemwegsbeteiligung
- frühe Analgesie
Explosionsverletzungen
Kugelbomben
- Werkzeug professioneller Feuerwerker (Kategorie F4)
- Bestehen aus zwei Halbschalen
- Füllung: Effekt- und Zerlegerladung
- Verschiedene Größen
- Wird aus einem Abschussrohr verschossen
- Zündung der Kugelbombe selbst durch Verzögerungszünder
- Gefahr bei direkter Zündung
Formen der Explosionsverletzungen
- Primäre Explosionsverletzungen
- Sekundäre Explosionsverletzungen
- Tertiäre Explosionsverletzungen
- Quartäre Explosionsverletzungen
- Quintäre Explosionsverletzungen
Primäre Explosionsverletzungen
- Ursache:
- Druck und Scherkräfte der Druckwelle
- TypischeVerletzungen:
- Trommelfellruptur
- Blast Lung
- Bauch- / Hohlorganverletzungen
- arterielle Gasembolie
Sekundäre Explosionsverletzungen
- Ursache:
- Fragmentation in Form von Splittern und Projektilen
- TypischeVerletzungen:
- Penetrierende Verletzungen am gesamten Körper
Tertiäre Explosionsverletzungen
- Ursache:
- Ak- und Dezeleration durch Sturz
- größere Trümmer
- Verschüttung (nach Gebäudekollaps)
- TypischeVerletzungen:
- Vorwiegend stumpfe Verletzungen des gesamten Körpers
Quartäre Explosionsverletzungen
- Ursache:
- Verbrennungen und Inhalationstrauma
- TypischeVerletzungen:
- Gesamter Körper betroffen
- Exazerbation von Vorerkrankungen
- Kontamination mit ABC-Stoffen
Quintäre Explosionsverletzungen
- Ursache:
- Vermutlich Additiva
- TypischeVerletzungen:
- Hämodynamische Instabilität
- Hyperpyrexie
- niedriger Zentralvenöser Druck
- negative Flüssigkeitsbilanz
Schutzwesten
- Schutzwesten können Brust- und Bauchbereich gegen Splitter und Fragmente (Sekundäre Explosinsverletzungen) schützen
- Schutzwesten können nicht gegen alle andere Explosionsverletzungen schützen und verschlimmern die Wirkung teilweise
Explosionsverletzungen versorgen
Gehe davon aus, dass Patienten nach der Einwirkung einer Explosion schwerverletzt oder polytraumatisiert sind. Behandle deine Patienten strukturiert nach xABCDE und sorge für einen schnellen Transport in ein geeignetes Krankenhaus.
| c/X | Kritische Blutungen finden und stoppen |
| A | Atemweg sichern |
| B | Oxygenierung sicherstellen |
| C | suffizienten Kreislauf sicherstellen |
| D | Analgesie sicherstellen |
| E | Wärmeerhalt und Immobilisation |
Take-Home-Message
- Rechne mit Polytrauma
- Wärmeerhalt ab der ersten Minute
- Stoppe kritische Blutungen und reevaluiere Maßnahmen
- Hämodynamik im Augen behalten
- permissive Hypotension beim Erwachsenen
- Normotension beim Kind
- Lenke deine Aufmerksamkeit bewusst
Prüfe dein Wissen
Quellenangaben
- Quellen:
- pyroweb GmbH. (o. D.). Pyroweb. Abgerufen am 16. Dezember 2025, von https://www.pyroweb.de/informationen/kugelbomben/
- Bombe – FEUERWERK Wiki. (o. D.). FEUERWERK Wiki. Abgerufen am 16. Dezember 2025, von https://www.feuerwerk.net/wiki/Bombe
- Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V., Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V., Deutsche Arbeitsgemeinschaft Krankenhaus-Einsatzplanung (DAKEP), Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen e.V. (DGPRÄC), Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeral Chirurgie e.V. (DGAV), Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI), Deutsche Gesellschaft für Chirurgie e.V. (DGCH), Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste e.V. (DGF), Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Frauenheilkunde e.V. (DGGG), Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie e.V. (DGH), Deutsche Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO), Deutsche Gesellschaft für interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie (DeGIR), Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie e.V. (DGKCH), Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie e.V. (DGNC), Deutsche Gesellschaft für Neurorehabilitation e.V. (DGNR), Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie e.V. (DGT), Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie e.V. (DGTI), . . . Bieler, D. (2002a). S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung. In Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung. https://register.awmf.org/assets/guidelines/187-023l_S3_Polytrauma-Schwerverletzten-Behandlung_2023-06.pdf
- Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin e. V., Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Cicatrix e.V. – Gemeinschaft für Menschen mit Verbrennungen und Narben, Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V., Deutsche interdisziplinären Gesellschaft für Dysphagie e. V., Deutscher Verband Ergotherapie, Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie, Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv-und Notfallmedizin e. V., Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie, Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie, Bundesinnungsverband für Orthopädietechnik, Deutsche Gesellschaft für Physikalische und Rehabilitative Medizin e. V., Deutscher Verband für Physiotherapie e. V., Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgie e. V., Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie e. V. & Kremer, T. (2024). S2k-Leitlinie Behandlung von thermischen Verletzungen bei Erwachsenen. In S2k-Leitlinie. https://register.awmf.org/assets/guidelines/044-001l_S2k_Behandlung-thermische-Verletzungen-Erwachsenen_2025-11.pdf
- Behandlung thermischer Verletzungen im Kindesalter (Verbrennung, Verbrühung). (2024). In S2k-Leitlinie. https://register.awmf.org/assets/guidelines/006-128l_S2K_Behandlung-thermische-Verletzungen-Kinder-Verbrennung-Verbruehung_2024-08_1.pdf
- Behandlung thermischer Verletzungen im Kindesalter (Verbrennung, Verbrühung). (2024). In S2k-Leitlinie. https://register.awmf.org/assets/guidelines/006-128l_S2K_Behandlung-thermische-Verletzungen-Kinder-Verbrennung-Verbruehung_2024-08_1.pdf
- Neitzel, C. & Ladehof, K. (2024). Taktische Medizin (3. Auflage). Springer Verlag. https://doi.org/10.1007/978-3-662-63453-0
- Spies, F., Schälte, G. & Radloff, C. (2024). Taktische Medizin.
- TECC Deutschland. (2024). Tactical Emergency Casualty Care Guidelines. In TECC (Bde. 1–2, S. 2–9) [Report]. https://www.c-tecc.org



