Der Mesenterialinfarkt bzw. die akute Mesenterialischämie sind lebensbedrohliche Krankheitsbilder. Verzögert sich die Therapie, steigt die Sterblichkeit auf bis zu 90%. Der Mesenterialinfarkt und die akute Mesentarialischämie sind im Rettungsdienst vergleichsweise selten. Die Diagnostik ist herausfordernd. Notfallsanitäter und Rettungssanitäter sollten das Krankheitsbild auf dem Schirm haben.
Inhaltsverzeichnis
Visueller Beitrag
Pathologie
Unterschieden wird die akute Masenterialischämie in die obstruktive Mesenterialischämie (z. B. Mesenterialinfarkt) und die nichtobstruktive Mesenterialischämie.
Beim Mesenterialinfarkt verstopft ein Thrombus die Arteria mesenterica superior oder inferior. Dieser Verschluss führt zu einer Minderperfusion des Darms.
Bei der nichtobstruktive Mesenterialischämie (NOMI) werden die Mesenterialgefäße nicht ausreichend mit Blut versorgt, es liegt jedoch kein Gefäßverschluss vor. Gründe können hämodynamische Instabilität wie Schock oder Herzinsuffizienz sein.
Die chronische Mesenterialischämie ähnelt einer koronaren Herzerkrankung mit Verengung des Gefäßlumens durch fortschreitende Ateriosklerose.
Risikofaktoren
- Kardiovaskuläre Erkrankungen
- Vorhofflimmern
Symptome
Die Symptome sind sehr undifferenziert und eine eindeutige Differenzierung in der Präklinik kaum möglich. Eingeteilt wird das Krankheitsbild in drei verschiedene Phasen. Abhängig vom Stadium variieren auch die Symptome.
Eingeilt wird in folgende Phasen:
- Initialstadium
- fauler Friede (nach ca. 2 bis 6 Stunden)
- Peritonitis (nach ca. 6 bis 12 Stunden)
Phasen des Mesenterialinfarkts
Initialstadium
(meist Grund für Alarmierung)
- heftige Bauschmerzen
- Diarrhö (teilweise blutig)
- verstärkte Peristaltik
- akutes Abdomen
- akute Verschlechterung des Allgemeinzustands
fauler Friede
- Nachlassen von Schmerz und Darmperistaltik
Peritonitis
- Entwicklung eines paralytischen Ileus
- massive Verschlechterung des Allgemeinzustands
- Schockzeichen
- Allgemeine Zeichen einer Peritonitis
Merke!
Denke bei Patienten mit relevanten Vorerkrankungen und akutem Abdomen an eine Mesenterialischämie!
Basismaßnahmen
- Vorgehen nach XABCDE
- Anamnese mit SAMPLER, IPPAF und OPQRST
- Basismonitoring
- Anlage großlumiger Zugänge
- Symptomatische Schock-Therapie
- Zügiger Transport in eine geeignete Zielklinik unter Voranmeldung
Erweiterte Maßnahmen
- bei Schock: Beginn der Vasopressortherapie (Push Dose Pressor)
- Analgesie
Zusammenfassung
Es handelt sich bei einer Mesenterialischämie um ein lebensbedrohliches Notfallbild. In der Präklinik lässt sich dieses nicht eindeutig diagnostizieren und zwischen Ischämie und Infarkt unterscheiden. Die Maßnahmen orientieren sich an den Symptomen des Patienten.
Besteht ein Risiko für einen Mesenterialinfarkt, soll dieses benannt werden.
Quellenangaben:
- Wetsch W, Hinkelbein J, Spöhr F. Mesenterialinfarkt. In: Wetsch W, Hinkelbein J, Spöhr F, Hrsg. Kurzlehrbuch Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. 3., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2024.
- Bailer B, Recker F, Matuschek E. Notfall „akute Mesenterialischämie“. In: Bailer B, Recker F, Matuschek E, Hrsg. Basiswissen POCUS. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2019.









