BEAUCHOPS – Ursachen für den Kreislaufstillstand in der Schwangerschaft

BEAUCHOPS - Ursachen für den Kreislaufstillstand in der Schwangerschaft

Der Kreislaufstillstand in der Schwangerschaft ist ein seltener Notfall. Die Reanimation einer Schwangeren stellt also eine besondere Herausforderung für das Personal dar. Das Akronym BEAUCHOPS dient als Merkhilfe für die (reversiblen) Ursachen eines Kreislaufstillstands einer Schwangeren bzw. Patientin, die frisch entbunden hat. Es enthält relevante Ursachen für die Klinik, kann aber auch für die Präklinik adaptiert werden.

Rescuelearn Beitrag BEAUCHOPS

Akronym BEAUCHOPS

BBleeding
EEmbolie (koronar, pulmonal, Fruchtwasser)
Aanästhesieassoziierte Komplikationen
UUterusatonie
CCardial (Ischämie, Infarkt, Aortendissektion, Myopathie)
HHypertension
OOthers (andere Ursachen)
PPlazenta (vorzeitige Plazentalösung, Placenta praevia, Plazentaimplantationsstörung)
SSepsis

Bleeding

Hauptursache für schwere Zwischenfälle bei der Geburt ist die postpartale Blutung. Im Rahmen einer Reanimation muss versucht werden, die Blutung zu stoppen. Dazu kann Hämostyptika unter Sonographie-Sicht durch die Vagina in den Uterus eingebracht werden. Zusätzlich soll die Patientin 1g Tranexamsäure erhalten.

Im Rahmen einer Präeklampsie oder Eklampsie kann es zu einer disseminierten intravasalen Gerinnung (DIC) kommen. Bei dieser Störung werden Gerinnungsfaktoren verbraucht, sodass diese bei einer Blutung nicht mehr zur Verfügung stehen.

Embolie (koronar, pulmonal, Fruchtwasser)

In der Schwangerschaft und im Wochenbett ist das Risiko für eine Thromboembolie deutlich erhöht. Bei Verdacht auf eine hämodynamisch relevante Lungenembolie, soll eine Thrombolysetherapie in Erwägung gezogen werden.

Die sogenannte Fruchtwasserembolie ist selten, aber tödlich. Der Übertritt von Fruchtwasser in den Kreislauf der Schwangeren verursacht eine schwere Überempfindlichkeitsreaktion. Die Symptomtrias besteht aus:

  • plötzliche Hypoxie
  • Hypotension
  • Koagulopathie

Anästhesieassoziierte Komplikationen

Aufgrund der physiologischen Veränderungen der Atemwege während einer Schwangerschaft ist bei einer schwangeren Patientin immer mit einem schwierigen Atemweg zu rechnen!

Primär soll ein Videolaryngoskop eingesetzt werden. Ein alternativer Atemweg für Komplikationen muss einsatzbereit sein.

Uterusatonie

Atonie ist griechisch und bedeutet “ohne Spannung”. Eine Uterusatonie bezeichnet die mangelnde Kontraktionsfähigkeit des Uterus nach der Geburt. Diese resultiert in einer massiven Blutung. Es drohen hämorrhagischer Schock bis zum Herzkreislaufstillstand.

Prähospital soll versucht werden, die Blutung zu stillen, die Patientin bekommt Tranexamsäure sowie sogenannte Uterotonika, Oxytocin oder Carbetocin.

Cardial (Ischämie, Infarkt, Aortendissektion, Myopathie)

Während der Schwangerschaft kann es zu verschiedenen kardialen Krankheitsbildern kommen. Rund um die Geburt ist das Risiko erhöht.

Eine seltene Komplikation ist die spontane Koronararteriendissektion. Die peripartale Erkrankung führt häufig zu Myokardinfarkten. Sie tritt wenige Wochen vor Schwangerschaftsende und bis zu 6 Monate nach der Entbindung auf.

Warnhinweis können typische Beschwerden einer Herzinsuffizienz sein.

Hypertension

In Deutschland wird eine schwangerschaftsinduzierte Hypertonie in der Regel gut erkannt und behandelt. In Entwicklungsländern gehört die Schwangerschafts induzierte Hypertonie (SIH) zu den häufigsten Todesursachen von Schwangeren.

Zu der schwangerschaftsinduzierten Hypertonie zählen die Präeklampsie, Eklampsie und das HELLP-Syndrom.

Hinweise darauf finden sich im Mutterpass. Ist die Schwangere geburtshilflich schlecht begleitet, kann eine SIH vorliegen.

Others (andere Ursachen)

Andere Ursachen in der Präklinik umfasst Ursachen wie Trauma, Suizid und Intoxikationen. Das Umfeld sollte bei der Suche nach der Ursache für einen Kreislaufstillstand nicht außer Acht gelassen werden.

Verletzungen durch einen Unfall oder Gewalt müssen nicht unmittelbar vor dem Kreislaufstillstand entstanden sein. Eine zeitliche Trennung von Vorfall und Kreislaufstillstand sind möglich.

In der Umgebung können sich Hinweise auf einen Suizid oder eine Intoxikation finden.

Plazenta (vorzeitige Plazentalösung, Placenta praevia, Plazentaimplantationsstörung)

Eine Plazentaimplantationsstörung kann zur massiven Blutungen führen. Wurde diese bisher nicht erkannt, kann dem Rettungsfachpersonal diese in der Präklinik begegnen.

Starke Blutungen vor, während und nach der Geburt können Hinweise geben.

Sepsis

Die Sepsis ist bei Schwangeren und Patientinnen, die frisch entbunden haben, ein relevantes Krankheitsbild. Das gilt besonders für Patientinnen, die nicht gut versorgt wurden. In Entwicklungsländern spielt die Sepsis eine entscheidende Rolle für die hohe Sterblichkeit von Schwangeren und Müttern. Patientinnen im Wochenbett haben ein erhöhtes Sepsis-Risiko. Zur Fokussuche bei Verdacht auf eine Sepsis empfiehlt sich das Akronym LUCCAASS.

Reanimation einer schwangeren Patientin

In den ERC Leitlinien gibt es spezielle Empfehlungen für die Reanimation einer schwangeren Patientin. Besonders bei der Atemwegssicherung sind Besonderheiten zu bedenken. Organisiere frühzeitig Unterstützung und prüfe die Indikation zur präklinischen Sectio unter Reanimationsbedingungen. Ist der Uterus über Nabelniveau tastbar bzw. das Gestationsalter liegt über 20 Wochen, soll der Uterus manuell nach links verlagert werden. Weitere Informationen findest du in einem gesonderten Beitrag auf meinem Profil!

Quellen

  • Weißleder, A., Beinkofer, D., Gässler, H., Treffer, D., Dargel, S. & Schleußner, E. (2022). Kardiopulmonale Reanimation der schwangeren Patientin im Rettungsdienst. Notfall + Rettungsmedizin, 25(5), 359–368. https://doi.org/10.1007/s10049-022-00979-0
  • Becke, K. (2016). Reanimation von Schwangeren. In Refresher Course Nr. 42 (S. 163–164) [Journal-article]. https://www.ai-online.info/abstracts/pdf/dacAbstracts/2016/2016-016-RC104.2.pdf
  • Lott, C., Truhlář, A., Alfonzo, A., Barelli, A., González-Salvado, V., Hinkelbein, J., Nolan, J. P., Paal, P., Perkins, G. D., Thies, K., Yeung, J., Zideman, D. A. & Soar, J. (2021). Kreislaufstillstand unter besonderen Umständen. Notfall + Rettungsmedizin, 24(4), 447–523. https://doi.org/10.1007/s10049-021-00891-z
  • Soar, J., Böttiger, B. W., Carli, P., Couper, K., Deakin, C. D., Djärv, T., Lott, C., Olasveengen, T., Paal, P., Pellis, T., Perkins, G. D., Sandroni, C. & Nolan, J. P. (2021b). Erweiterte lebensrettende Maßnahmen für Erwachsene. Notfall + Rettungsmedizin, 24(4), 406–446. https://doi.org/10.1007/s10049-021-00893-x
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