Präeklampsie, Eklampsie und HELLP-Syndrom im Rettungsdienst

Bei 4-8% aller Schwangerschaften treten hypertensive Schwangerschaftserkrankungen auf. Die Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie und Präeklampsie werden häufig durch Vorsorge-Untersuchungen aufgedeckt. Dennoch können Präeklampsie, Eklampsie und auch das HELLP-Syndrom ein Fall für den Rettungsdienst werden.

Begrifsdefinitionen

Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie (SIH):

Während der Schwangerschaft erstmalig auftretende Blutdruckwerte über 140/90 mmHg

Präeklampsie:

jeder Blutdruck über 140/90 mmHg während der Schwangerschaft, der zusammen mit einer Organmanifestation auftritt

Eklampsie:

Präeklampsie mit tonisch-klonischem Krampfanfall (50% der Fälle ohne schwere Hypertonie)

Krampfanfall bei einer schwangeren Patientin

HELLP-Syndrom:

schwere Verlaufsform der Präeklampsie mit bestimmten Veränderungen im Blutbild

Pathophysiologie

  • Die Ursache hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen sind noch nicht abschließend geklärt.
  • Im Rahmen der Schwangerschaft finden zahlreiche Veränderungen im Körper statt. Vermutlich durch unausgewogene Botenstoffe (Prostaglandin und Thromboxan) kommt es zum gegenteiligen Verhalten, nämlich einer Gefäßverengung. Diese führt zu Bluthochdruck und dieser wiederum zu Endothelschäden mit Mikrothromben im Kapillargebiet.
  • Bluthochdruck und Mikrothromben bewirken Zirkulationsstörungen in Niere, Gehirn, Leber und Lunge.

Symptome

Beachte, dass sich die Symptome der Erkrankungen Präeklampsie, Eklampsie und HELLP-Syndrom voneinander unterscheiden. Es gibt auch Patientinnen welche keine der typischen Symptome zeigen. Bei der Alarmierung des Rettungsdienstes wird in der Regel eine spezifische Symptomatik vorliegen.

Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie (SIH):

  • Kopfschmerzen
  • Ödeme

Präeklampsie:

  • Blutdruckanstieg
  • starke Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Sehstörungen
  • motorische Unruhe

Eklampsie:

  • tonisch-klonischer Krampfanfall

HELLP-Syndrom:

  • rechtsseitiger Oberbauchschmerz

Maßnahmen

Keine spezifischen Maßnahmen. Führe deine Basismaßnahmen durch:

  • Basismaßnahmen nach xABCDE
  • Reizabschirmung
  • regelmäßige Reevaluation
  • intravenöser Zugang
  • Lagerung nach Wunsch bzw. Linksseitenlagerung
  • Wärmeerhalt

Erweiterte Maßnahmen

  • ggf. Blutdruck senken (Urapidil)
  • ggf. Krampf durchbrechen (Magnesium, Midazolam)

Transport

Unter Voranmeldung in einen Kreißsaal (ab 20. SSW) mit Sectio-Bereitschaft

Blutdruck senken

Grundsätzlich gilt zu beachten, dass eine drastische Blutdrucksenkung eventuell zu einer Minderperfusion der Plazenta führen kann. Daher ist ein strukturiertes und vorsichtiges Vorgehen angebracht. Notfallsanitäter sollten nicht vor einer Blutdruck-Senkung zurückschrecken.

Im Hypertensiven Schwangerschaftsnotfall (systolisch > 160 mmHg / diastolisch > 110mmHg) über 10 Minuten anhaltend mit anhaltender vitaler Gefährdung für Organschäden, soll der Blutdruck unverzüglich gesenkt werden.

Organschäden: hypertensive Enzephalopathie mit

Sehstörungen, Schwindel, starke Kopfschmerzen, Bewusstseinstrübung, neurologischen Ausfallerscheinungen oder Lungenödem

Vorsichtige Senkung auf systolisch unter 160 mmHg bzw. diastolisch unter 110mmHg.

Transportziel

Das Transportziel sollte immer ein Krankenhaus mit Kreißsaal sein. Eine notfällmäßige Entbindung ist bei akuter Symptomatik nicht unwahrscheinlich.

Eine Voranmeldung wegen der zu erwartenden Komplikationen ist zwingend notwendig.

Auch wenn der Transport unter Zeitdruck erfolgt, sollte versucht werden, die Patientin abzuschirmen und nicht starken Reizen auszusetzen.

Zusammenfassung

Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen sind lebensbedrohliche Notfälle für Mutter und Kind. Du solltest die Warnhinweise kenen und Therapie beherrschen. Gerade in der medikamentösen Therapie ist vorsichtiges Vorgehen angebracht. Die Kenntnis spezieller Krankheitsbilder schafft Sicherheit in der Notfallsituation.

Quellenangaben

  • Lenhardt-Pfeiffer Y. Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie (SIH), (Prä-)Eklampsie und HELLP-Syndrom. In: retten – Notfallsanitäter. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2023.
  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). (2024). S2K-Leitlinie Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES): Diagnostik und Therapie. In AWMF (Nr. 015–018).

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