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Fieberkrampf

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Der Fieberkrampf ist ein vergleichsweise häufiger Alarmierungsgrund für den Rettungsdienst. Notfallsanitäter und Notarzt müssen das Krankheitsbild kennen.

Der für die Eltern dramatische Notfall ist für den Rettungsdienst in der Regel ein gut händelbarer Kindernotfall. Rund 85% der Fieberkrämpfe sind generalisierte klonische oder tonisch-klonische Krampfanfälle. Im Säuglingsalter kann die tonische Phase fehlen. Mehr als 90% der generalisierten Krampfanfälle sistieren spontan innerhalb von 3 Minuten.

Bei Kindern zwischen ca. 6 Monaten und 6 Jahren kann es im Rahmen eines Infektes zu einem Fieberkrampf kommen. Etwa 2% bis 5% aller Kinder erleiden in ihrem Leben einen Fieberkrampf. Ein Fieberkrampf ist ein Krampfanfall, der unter Fieber (> 38,0°C) auftritt und nicht mit einer gleichzeitigen Infektion des ZNS einhergeht und ohne vorausgegangene afebrile Krampfanfälle.

Symptome #

  • Allgemeine Infektzeichen
  • Generalisierter tonisch-klonischer Krampfanfall
  • Bewusstlosigkeit
  • Fieber

Maßnahmen #

Grundsätzliches Vorgehen nach dem Pädiatrischen Beurteilungsdreieck.

  • Sicherung der Atemwege
  • ggf. Sauerstoff
  • ggf. fiebersenkendes Zäpfchen
  • engmaschige Vitalparameterkontrolle
  • Eltern beruhigen
  • Blutzucker kontrollieren
  • Differenzialdiagnosen suchen

Ist der Krampfanfall bereits zu Ende, wird auf die Gabe von Benzodiazepinen verzichtet. Bei Fieber über 38,0°C kann eine medikamentöse Fiebersenkung erwogen werden. Der Auslöser für einen Fieberkrampf ist bis heute nicht geklärt.

Erweiterte Maßnahmen #

Sollte das Kind beim Eintreffen des Rettungsdienstes noch krampfen, kann der Krampf mit Medikamenten durchbrochen werden:

  • Midazolam (nasal, bukkal oder intravenös)
  • Diazepam (rektal)
  • Lorazepam (bukkal)
  • Colnazepam (intravenös)

Weitere Details zu den Medikamenten entnimmst du der Fachinformation. Welche Medikamente für dich als Notfallsanitäter freigegeben sind, hängt von den zugrunde liegenden SOPs ab.

Die S1 Leitlinie Fieberkrämpfe im Kindesalter schlägt vor, dass die Fachbegriffe einfacher und komplexer Fieberkrampf neu definiert werden.

  • Dauer über 3 Minuten = komplizierter Fieberkrampf
  • Dauer über 5 Minuten = Status epilepticus
Fieberkrampf im Rettungsdienst

Differenzialdiagnosen #

Auch wenn der Fieberkrampf in der Kindheit mit Abstand der häufigste Grund für einen Krampfanfall ist, handelt es sich dabei um eine Ausschlussdiagnose.

Bedenke die folgenden Differenzialdiagnosen:

  • Hirnhautentzündung
  • Hypoglykämie
  • Sepsis
  • Hirnblutung
  • Schädelhirntrauma

Nach einem Krampfanfall sollte das Kind grundsätzlich in eine Kinderklinik transportiert werden.

Zusammenfassung #

Kinder im Alter von 6 Monaten bis 6 Jahren erleiden vergleichsweise häufig einen Fieberkrampf. Die Therapie ist der Symptomatik angepasst, erweiterte Maßnahmen sind selten notwendig.

Für die Eltern stellt ein Fieberkrampf eine bedrohliche Notfallsituation dar, sodass diese auch vom Rettungsdienst betreut werden müssen.

Quellenangaben #

  • Jürgem Luxem, Klaus Runggaldier, Harald Karutz, Frank Flake (Hrsg.) (2020), Notfallsanitäter Heute, 7. Auflage, Elsevier GmbH.
  • Kurlemann G, Muhle H, Gesellschaft für Neuropädiatrie (2021) Fieberkrämpfe im Kindesalter. AWMF S1 Leitlinie (Register Nr. 022-005). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/022-005
  • Neubauer B. Gelegenheitskrämpfe (Fieberkrämpfe). In: Meyer S, Hrsg. Duale Reihe Pädiatrie. 6., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2024.