Eines der Themen, die in der Notfallsanitäter-Prüfung häufig für Unwohlsein und Überforderung sorgen, ist das Qualitätsmanagement. Dieser Beitrag ist eine sehr grobe Übersicht über das Qualitätsmanagement im Rettungsdienst. Diese Zusammenfassung ist mit Hinblick auf die Prüfungsvorbereitung entstanden und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Beitrag Qualitätsmanagement im Rettungsdienst #
Der folgende Beitrag ist eine schnelle Zusammenfassung zum Qualitätsmanagement im Rettungsdienst.
Qualitätsmanagement im Rettungsdienst #
Unter dem Begriff Qualitätsmanagement (QM) versteht man die Gesamtheit der organisatorischen, technischen und personellen Maßnahmen, die zur Sicherung, Verbesserung und Weiterentwicklung der Leistung der Organisation beitragen.
Im Rettungsdienst in Deutschland ist die Implementierung eines Qualitätsmanagement gesetzlich vorgeschrieben in:
Teilweise sind auch in den einzelnen Landesrettungdienstgesetzten Regulierungen enthalten.
Qualitätsdimensionen #
Bereits 1966 hat der Mediziner Avedis Donabedian 3 Qualitätsdimensionen zur Bewertung einer Organisation definiert. Ursprünglich ging er davon aus, dass sich diese direkt und linear beeinflussen. Heutzutage geht man von indirekten, nicht linearen Zusammenhängen aus.
- Strukturqualität
technische Rahmenbedingungen - Prozessqualität
Arbeitsabläufe - Ergebnisqualität
Gesundheitszustand und Patientenzufriedenheit
Die Qualitätsebenen müssen von dir schriftlich und mündlich beschrieben werden können.
Zieldefinitionen #
Ziele müssen bestimmten Anforderungen entsprechen. Sie werden als sogenannte SMART-Ziele definiert. Das macht sie transparent und vergleichbar.
| S | Spezifisch |
| M | Messbar |
| A | Akzetabel / attraktiv |
| R | Realistisch |
| T | Terminiert |
Du solltest in der Lage sein, ein SMART-Ziel anhand eines konkreten Beispiels zu formulieren. Das folgende Beispiel soll das Ziel definieren, dass die Chest Compression Fraction (CCF) bei der Reanimation verbessert wird.
„Bis zum 31. Dezember 2026 soll in mindestens 90 % aller Reanimationseinsätze die Chest Compression Fraction (CCF) bei ≥ 80 % liegen (aktuell 62 %).“
- Spezifisch
Es geht ausschließlich um die Chest Compression Fraction (Anteil der Zeit mit laufender Herzdruckmassage während der gesamten Reanimation) – das wichtigste Qualitätskriterium für die Reanimationsqualität. - Messbar
Automatische Auswertung über das Defibrillator-EKG und das Reanimations-Feedback-System→ monatliche QM-Auswertung in Prozent. - Akzeptabel / attraktiv
Bessere Überlebenschancen der Patienten, weniger Stress für das Team durch klare Feedback-Schleifen, direkter Nachweis guter Arbeit in der Nachbesprechung. - Realistisch
Erreichbar durch monatliches Reanimationstraining mit Feedback-Defibrillator, Team-Checkliste „High-Performance CPR“, sofortiges Debriefing nach jedem Einsatz und
kleine Anpassungen bei der Rollenverteilung (z. B. fester Kompressor-Wechsel alle 2 Min.) - Terminiert
Konkreter Stichtag: 31.12.2026 (Ende des Jahres)
Du kannst SMART-Ziele übrigens auch nutzen, um deinen eigenen Lernplan zu organisieren.
PDCA-Zyklus #
Der PDCA-Zyklus ist ein zentrales Werkzeug des Qualitätsmanagements und dient der systematischen Verbesserung von Prozessen im Rettungsdienst. In der Plan-Phase wird zunächst der Ist-Zustand beurteilt und anschließend werden klare Ziele sowie geeignete Maßnahmen festgelegt. Danach folgt die Do-Phase, in der die geplanten Maßnahmen eingeleitet und praktisch umgesetzt werden. In der Check-Phase wird der Erfolg der Maßnahmen geprüft, bevor in der Act-Phase die bewährten Maßnahmen weitergeführt und bei Bedarf optimiert werden.

Qualitätsmanagement Systeme #
Im Gesundheitssektor spielen die folgenden drei Systeme eine besondere Rolle:
- EFQM-Modell für Excellence (European Foundation for Quality Management)
Kundenzufriedenheit, Mitarbeiter und Qualitätsorientierung spielen eine Rolle. - KTQ (Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen)
Das Qualitätsmanagement läuft in mehreren Schritten ab: Selbstbewertung, Planung der Optimierung, Selbstevaulation und anschließende Fremd Evaluation. - DIN ISO 9000 ff (DIN für Deutsches Institut für Normung, ISO für Internationale Organisation für Standartisierung)
Kundenzufriedenheit steht im Mittelpunkt. Alle Prozesse werden beschrieben und dokumentiert. In internen und externen Audits wird das System geprüft.
Das System nach DIN ISO 9000 ff ist derzeit am meisten in Deutschland genutzt.
CIRS-Systeme #
Eines der Werkzeuge des Qualitätsmanagements ist das sogenannte Critical Incident Reporting System. Es handelt sich dabei um ein Meldesystem.
Dieses ist sanktionsfrei und ermöglicht die Meldung von Unfällen und Beinahe-Unfällen. Das Ziel ist es, durch entsprechende Anpassung von vorhandenen Prozessen einen erneuten Vorfall zu vermeiden.
Ursprünglich kommt das CIRS aus der Luftfahrt und ist auch ein Werkzeug des Crew Ressource Managements (CRM).
Vorteile von Qualitätsmanagement #
Ein gut eingeführtes und umgesetztes Qualitätsmanagementsystem im Rettungsdienst bringt einige Vorteile mit sich:
- Einheitliche Arbeitsweisen
- Verbesserung der Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit
- Verbindliche Qualitätsstandards für Arbeitgeber und Arbeitnehmer
- Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter im Rettungsdienst
- Strukturierte Arbeitsabläufe
Zusammenfassung #
Qualitätsmanagement ist gesetzlich vorgeschrieben und gehört damit zu der täglichen Arbeit im Rettungsdienst. Für die Notfallsanitäter-Prüfung solltest du verschiedene QM-Systeme und die typischen Werkzeuge kennen. Desweiteren solltest du die SMART-Ziele und verschiedenen Quaitätsdimensionen erklären können.
Quelle:
retten – Notfallsanitäter. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2023. doi:10.1055/b-006-163295










