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Wie wichtig sind regelmäßige Wechsel während der Reanimation wirklich?

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Wir sind die Profis. Doch leider sieht man immer wieder, dass gerade die Grundlagen bei der Reanimation nicht beherzigt werden. Das beginnt beim regelmäßigen Wechsel. Doch wie hoch ist der Stellenwert des Wechsels wirklich?

Ermüden wir? #

Bei einer Studie in einem Krankenhaus wurde die Qualität der Thoraxkompressionsmaßnahmen während der Reanimation untersucht. Die Qualität der Thoraxkompressionen wurde mittels Audiofeedback zurückgemeldet. Während die Frequenz der Thoraxkompressionen keine großen Abweichungen brachte, gab es bei der Tiefe der Thoraxkompressionen signifikante Abweichungen.

So wurden die Thoraxkompressionen ab 90 Sekunden deutlich flacher, ab 2 Minuten noch mal mehr.

Das Ergebnis der Studie ist also, dass nach 90 Sekunden die Thoraxkompressionen weniger effizient werden. Ab 2 Minuten kann man diese als nicht ausreichend bezeichnen.

Bedeutung der Drucktiefe #

Die Voraussetzung, um durch Thoraxkompressionen einen Ersatzkreislauf zu gewährleisten, sind:

  • richtige Frequenz (ventrikuläre Füllungszeit)
  • vollständige Entlastung (ventrikuläre Füllung)
  • richtige Drucktiefe (ventrikulärer Ausfluss)

Drücken wir nicht tief genug, kommt es unter Umständen nicht nur zu einem verminderten Ausfluss, sondern sogar zu gar keinem Ausfluss.

Durch eine zu geringe Drucktiefe der Thoraxkompressionen wird die Maßnahme nicht nur schlechter, sondern sogar ineffizient.

Nur noch schnell… #

Immer wieder hört man in Simulationen die Aussage “Aber draußen macht man es anders”. Auch ich kenne viele Beispiele, in denen der regelmäßige Helferwechsel keine hohe Priorität hatte. “Noch schnell den Zugang legen” und “Kannst du noch?” sind keine Seltenheit.

Bedenkt man nun, dass Thoraxkompressionen im Schnitt nach 90 Sekunden schlechter werden und ab 2 Minuten als ineffizient betrachtet werden können, muss jedem klar werden, wie wichtig ein regelmäßiger Wechsel ist.

Du hast in der letzten Simulation erfolgreich und nachweislich deutlich länger gedrückt? Diese Erfahrung ist aber nur valide, wenn du zuvor auch mit vollem Equipment in den 4 Stock gelaufen bist.

Rhythmuskontrolle #

Die Rhythmuskontrolle soll in Abständen von zwei Minuten erfolgen. Sollte der Patient z. B. Kammerflimmern, also einen schockbaren Rhythmus haben, ist die beste Therapie eine Defibrillation.

Halten wir uns nicht an die 2 Minuten Zyklen, verzögern wir die lebensrettende Therapie der Defibrillation.

Damit Amiodaron wirken kann, braucht es einen zuverlässigen Ersatzkreislauf. Dieser kann nur durch hochwertige Thoraxkompressionen hergestellt werden. Siehe oben…

Stellenwert des Helferwechsels #

Gehen wir davon aus, dass wir nach 2 Minuten keine effizienten Thoraxkompressionen durch Ermüdung leisten können, wird eines klar:

Kein Zugang, keine Medikamentengabe, o.ä. kann einen höheren Stellenwert haben, als effiziente Thoraxkompressionen und damit ein regelmäßiger Helferwechsel.

Draußen machen wir es anders….” heißt dann schlicht “Dann machen wir es falsch”.

Quellenangaben #

  • Sugerman NT, Edelson DP, Leary M, Weidman EK, Herzberg DL, Vanden Hoek TL, Becker LB, Abella BS. Rescuer fatigue during actual in-hospital cardiopulmonary resuscitation with audiovisual feedback: a prospective multicenter study. Resuscitation. 2009 Sep;80(9):981-4. doi: 10.1016/j.resuscitation.2009.06.002. Epub 2009 Jul 5. PMID: 19581036; PMCID: PMC2746377.
  • Soar, J., Böttiger, B. W., Carli, P., Couper, K., Deakin, C. D., Djärv, T., Lott, C., Olasveengen, T. M., Paal, P., Pellis, T., Perkins, G. D., Sandroni, C. & Nolan, J. P. (2021). Erweiterte lebensrettende Maßnahmen für Erwachsene. Notfall + Rettungsmedizin, 24(4), 406–446. https://doi.org/10.1007/s10049-021-00893-x