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Überrolltrauma

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Das Überrolltrauma (Run-over-Trauma) bezeichnet die Situation, wenn ein Körper ganz oder teilweise von der Last eines sich bewegenden Fahrzeugs überrollt wird. Häufig sind Patienten nach einem Überrolltrauma polytraumatisiert. Besonders häufig betroffen sind Fußgänger und Zweiradfahrer. Abzugrenzen ist der Begriff Überfahren.

Begrifflichkeiten Überfahren und Überrollen #

Unterschieden wird zwischen kompliziertem Überfahren und einfachem Überfahren. Bei einem komplizierten Überfahren kommt es zuerst zu einer Kollision zwischen Fahrzeug und Person, woraufhin die Person überfahren wird.

Beim einfachen Überfahren liegt die Person bereits auf dem Boden und wird überrollt.

Typische Situationen:

  • Abbiegeunfall
  • Unachtsamkeit
  • Rückwärtsfahren / Rangieren
  • Schienenverkehr
  • Fahrzeug als Waffe

Fahrzeuge als Waffe #

In der Vergangenheit wurden Fahrzeuge gezielt als Waffe eingesetzt, um teilweise eine große Anzahl an Menschen zu verletzen (Terroranschläge & Amokfahrten).

  • 20. Dezember 2024, Magdeburg
  • 14. Juli 2016, Nizza
  • 19. Dezember 2016, Berlin
  • 22. März 2017, London
  • 07. April 2017, Stockholm
  • 14. April 2017, Cottbus
  • 03. Juni 2017, London
  • 17. August 2017, Barcelona

Bei einer großen Anzahl Verletzter haben wir mit zahlreichen Überrolltraumata zu rechnen. Patienten mit Überrolltrauma und Verdacht auf innere Blutungen haben eine Transportpriorität.

Polytrauma durch Überrollen #

Werden Thorax und / oder Abdomen überrollt, ist mit einer Verletzung zahlreicher Organstrukturen durch direkte Kompression zu rechnen. Von außen sind diese häufig nicht sofort zu erkennen. Sie bieten aber erhebliche Gefahr für starke Blutungen und Einschränkungen in der Organfunktion.

Unabhängig von Verletzungen von Thorax und Abdomen bietet das Überrollen großes Potenzial für lebensbedrohliche Verletzungen. Bis das Gegenteil bewiesen ist, sollte von einem polytraumatisierten Patienten ausgegangen werden. Eine strukturierte Patientenversorgung nach XABCDE-Schema ist indiziert.

Decollmentverletzungen #

Wird ein Körper überrollt, richten sich die Kräfte der Reifen und der Straßenoberfläche am Körper in die gleicher Richtung. Durch die auftretenden Scherkräfte werden die Decollmentverletzungen verursacht. Auf Deutsch werden dieser als Ablederungsverletzungen bezeichnet. Die Haut wird von darunter liegendem Gewebe getrennt.

Dabei kann es zu Verletzungen unter einer intakten Hautschicht kommen. Diese werden als atypisches Decollment bezeichnet.

Häufig werden in Verbindung mit Decollmentverletzungen auch Frakturen der Extremitäten beobachtet.

Maßnahmen #

c/XAggressives Blutungsmanagement äußerer Blutungen
A / Bggf. Atemwegssicherung / Schutzintubation
Oxygenierung sicherstellen
Denke an assistierte oder kontrollierte Beatmung bei Verletzungen der Lungen / des Atemzentrums
CVolumenmanagement nach Prinzip der permissiven Hypotension + 1g Tranexamsäure in Kurzinfusion
Versorgung mit einem Beckengurt
EWärmeerhalt! Jedes Grad Körpertemperatur zählt.
Instabiler Patient? Transportpriorität in eine Versorgungseinrichtung zur chirurgischen Versorgung des Patienten.

Sonographie beim Polytrauma #

Mit einer gezielten sonografischen Untersuchung lassen sich innere Blutungen erkennen und deren Verlauf regelmäßig reevaluieren. Sonographie darf keinen Transport oder andere sofortige Interventionen verzögern. Aus diesem Grund sollte die Sonographie nur durch trainiertes Fachpersonal durchgeführt werden.

Im MANV-Fall kann die Sonographie dazu genutzt werden die Transportpriorität der Patienten festzulegen.

Zusammenfassung #

Bei einem Überrolltrauma muss mit einem schwerverletzten ggf. polytraumatisierten Patienten gerechnet werden. Die Behandlung des Patienten muss strukturiert erfolgen. Innere Verletzungen sind wahrscheinlich. Arbeite nach dem Prinzip der permissiven Hypotension. Vermeide eine undifferenzierte Volumgengabe und unterschätze nicht die Verletzungen. Patienten welche am Boden liegen drohen auszukühlen. Die Hypothermie verschlechtert die Gerinnung des Patienten, was bei inneren Verlertzungen fatale Folgen haben wird.